Unterkapitel 9

Unterkapitel 9

Nach diesem Adventswochenende waren Claus und ich aber etwas beunruhigt. Wir trafen uns am 23.12. in Oldenburg bei einem meiner Neffen, die anderen sind auch gekommen, es gab Waffeln und wir machten die Oma/Opa Bescherung. Und wir erzählten von den beiden.

Anfang Januar 2011 hatte ich dann mit Edda telefoniert. Ob wir nicht mal dorthin fahren könnten. Nur wir 2 Mädchen. Ohne Männer, nur wir 2. Das würde Muddi und Vaddi bestimmt gefallen.

Roland gab seiner Frau frei, sie sind ja selbstständig und die Arbeit war gerade wieder so richtig angezogen. Aber Roland fand das in Ordnung und wir überlegten uns schon mal einen Termin Ende Januar oder Anfang Februar. Ich hatte sogar eine Ferienwohnung ein paar Häuser weiter gefunden, wo wir übernachten könnten. Im Winter im Wohnwagen ist nicht so prickelnd…

Da liegen wir hier nun im Bett in dieser Ferienwohnung, genauso wollten wir das ja auch. Aber leider ist der Grund unseres Besuches plötzlicher und auch weniger schön, als wir dachten.

Als Kinder hatten wir uns auch ein Zimmer geteilt. Und wir hatten so vieles miteinander geteilt. Eigentlich waren wir als Kinder beste Freundinnen.

Im Laufe der vielen Jahre haben wir immer weniger Kontakt gehabt, also solch ein Schwester zu Schwester Kontakt. Claus und ich wohnten nun weit weg. Wir hatten unsere eigenen Familien, wir haben uns immer als Familien getroffen. Das war auch immer sehr schön, wir hatten immer noch viel zusammen unternommen, aber nur wir 2 Mädchen, das war sehr selten geworden.

Mein Mann Claus ist nun selber in Rente gegangen. Wir sind von Baden Württemberg nach Ostfriesland gezogen, ich hatte nur noch eine 50% Stelle.

Dadurch konnten wir jetzt öfter bei den beiden vorbeikommen. Dabei merkten wir, dass die Gartenarbeit für sie zu schwer wurde, wir mähten den Rasen, schnitten die Hecke, entrümpelten den Schuppen, in dem sich Glasabfälle und verrostete kaputte Stühle stapelten. Die meisten Dinge erledigten wir heimlich. Morgens um 5 Uhr strich ich die kleine Mauer neu, die alte Farbe war abgeblättert. Vaddi bemerkte es erst einen Tag später.

Einmal pro Jahr traf sich die gesamte Familie, um Klarschiff im Garten zu machen.

Bäume wurden beschnitten oder gefällt, alles zerschreddert, neuer Kies in der Einfahrt aufgetragen, Zäune repariert. Dann sah alles wieder gut aus.

Aber solche Aktionen bedurften einer großen Überredungskunst. Unser Vater wollte sich nicht helfen lassen. „Nun setzt euch doch mal, lass uns erzählen“, sagte er immer. Er wollte gerne alle um sich herum haben, aber solche Sachen macht er schon noch.

Ich kann alles, nur nicht mehr so schnell“, war sein ständiger Spruch. Leider passte sich der Rasenwuchs nicht seinem Alter an.

Er hatte immer Angst davor, es könne Jemand denken, dass er es nicht mehr selber kann, das würde ja bedeuten, sie wären alt, aber das sind sie noch nicht.

Fürs Alt Sein haben wir noch Zeit genug“.

Anschließend war er aber doch froh, dass es erledigt war und lud uns allesamt zum Essen in ein Lokal ein.

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