Unterkapitel 7

Unterkapitel 7

Bei Edda klingelt das Handy, es ist von ihrer Firma, da muss sie dran. Also verzieht sie sich ins Treppenhaus, damit keiner merkt, dass sie im Krankenhaus mit dem Handy telefoniert.

Plötzlich kommt eine Schwester ins Zimmer und sagt schroff: “ Sie sollen ins Arztzimmer kommen“. Edda ist noch nicht zurück, aber die Bettnachbarin sagte Edda, wo ich nun hin bin. Wir sagen unsere Bedenken wegen des Schlaganfalles und wir schreiben uns auch den Namen der Ärztin auf. Sie habe ja am Freitag bei der Aufnahme schon ein neurologisches Konsil gehabt, da wäre nichts, aber das Hb ist so niedrig, vielleicht blutet sie in den Darm, da hätte man vor 3 Jahren mal einen Polypen entfernt. Auf unsere Bedenken geht sie, ziemlich bestimmt, gar nicht ein. Sie ist die Fachfrau, sie sagt, wo es langgeht.

Morgen soll sie eine Darmspiegelung bekommen. Dafür muss sie Unmengen Abführflüssigkeit trinken. In das viel zu enge 3 Bettzimmer ist eben noch ein 4. Bett hinein geschoben worden.

Edda und ich essen wieder in der Kantine des Krankenhauses. Am Nachmittag gehen wir zum Kaffee mit Vaddi zum Nachbarn Hermann, der hat heute Geburtstag. Vaddi will eigentlich nicht, aber wir überreden ihn. So viele Leute auf einmal in einer geschlossenen Wohnung ist eigentlich nichts für ihn. Zu unserer Überraschung unterhält er sich aber ganz gut, sodass Edda und ich kurz darauf wieder zu Muddi ins Krankenhaus fahren, um sie beim Abführen zu unterstützen. Unmengen trinken ist schon lange nichts mehr für Muddi. Wir mussten die beiden immer wieder anhalten, etwas mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

In dem viel zu engen 4 Bettzimmer steht jetzt auch noch ein Toilettenstuhl neben ihrem Bett, weil durch das dazugestellte Bett der Eingang zum Badezimmer sehr eng geworden ist. Zu eng für künstlich herbeigeführten Durchfall. Es riecht auch dementsprechend. Sie kann da nichts dafür. Muddi tut uns unendlich leid!

Am Dienstag wollen wir wieder fahren. Wir müssen ja auch wieder arbeiten. Und so fahren wir noch bei Muddi im Krankenhaus vorbei, um uns zu verabschieden. Sie sitzt auf dem Toilettenstuhl. Wir wollten noch etwas von der Ärztin wissen, aber die kennt man hier nicht!!! “Ach, dann war das die AIP, die ist heute nicht da.” Wir sind total verunsichert!

Wir geben unsere Telefonnummern an, denn bei Vaddi anzurufen, das hat wenig Sinn. Er wird nicht verstehen, was sie wollen und wird uns, wenn denn überhaupt, nur unzureichend informieren.

Vaddi macht sich natürlich immer noch große Sorgen um Muddi, aber er ist jetzt auch ein wenig überfordert mit dieser Situation. Wir erklären Vaddi, dass man uns anrufen wird, wenn etwas ist und dass wir jeden Tag bei ihm anrufen werden.

Dann fahren wir wieder nach Hause, Roland holt Edda in Oldenburg ab. Auch die Oldenburger Enkel machen sich große Sorgen.

Die 4 Tage, die Edda und ich nun zusammen waren, haben uns richtig gut getan. Wenn man von dem Grund unseres Besuches einmal absieht. Schon lange nicht mehr hatten wir so viel Zeit für einander. Als wir am ersten Abend im Bett nebeneinander lagen, konnten wir gar nicht einschlafen. Es sind uns so viele Dinge eingefallen. Von früher.

Und wir stellten fest, dass Muddi schon etwas tüddelig geworden ist. Aber sie hatte auch früher Witze nicht verstanden und konnte kein Autofahren. Dafür erledigte sie immer alle Anrufe und Bestellungen. Da hatte jeder so seine eigenen Aufgaben. Und das war gut so. Vaddi drehte die Sicherungen wieder ein, was oft vorkam, denn wenn man in diesem alten, kleinen Haus gleichzeitig zwei Geräte anschaltete, dann flog die Sicherung einfach heraus. Muddi wusch die Wäsche, kümmerte sich um die Blumen im Garten. Vaddi schälte die Kartoffeln, mähte den Rasen und stellte die Mülltonnen vor die Tür.

Früher gab es in diesem kleinen Ort auch noch Einkaufsläden. Das war, als sie 30 Jahre zuvor dort hingezogen waren. Sie hatten ziemlich schnell einen neuen und großen Freundeskreis aufgebaut, fast alles natürlich ältere Leute. Diese sind dann natürlich auch genauso 30 Jahre älter geworden. Manche sind auch schon verstorben.

Und die Einkaufsläden hatten geschlossen, weil ein Supermarktzentrum am Ortsende aufgemacht hatte. So lange sie Autofahren konnten, war das ja auch kein Problem.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s