Unterkapitel 5

Unterkapitel 5

Muddi liegt in einem sehr engen 3 Bettzimmer auf der inneren Abteilung. Sie sieht aber besser aus, als wir befürchtet hatten. Wir bemerken, dass der linke Arm nicht richtig funktioniert und der linke Mundwinkel hängt. Muddi kann auch sehr schlecht sprechen. Sie bekommt mehrere Bluttransfusionen, die meisten laufen nicht in die Venen, sondern in den Arm, er ist blitze blau!

Ich kann nicht richtig reden“ stammelte sie immer wieder und versuchte, Worte zu bilden.

Als das Mittagessen gebracht wurde, setzte man sie an die Bettkante und wir sind in der Zeit mit Vaddi in die Kantine vom Krankenhaus, auch etwas essen. Vaddi hat bestimmt schon einen ganzen Tag lang nichts gegessen. Er kann eigentlich gar nicht ohne Muddi. Wenn Muddi mal stirbt, dann setzt er sich aufs Sofa, macht die Augen zu, schläft ein und wacht einfach nie mehr auf. Davon waren wir schon immer überzeugt. Er will ja immer auf sie aufpassen, er liebt sie ohne Ende. „Ich will unbedingt 95 werden“ hatte er mal nach seinem 90. Geburtstag gesagt. „Wie kommst du da jetzt drauf?“, fragte Claus. „Dann ist Muddi auch mal 90 geworden und der Bürgermeister kommt auch zu ihrem Geburtstag“.

Wir hatten nie einen Zweifel daran, dass sie keine 90 und 95 Jahre alt werden könnten.

Einen Arzt können wir jetzt nicht sprechen, es ist Wochenende!

Als wir wieder zurück sind suchen ein paar Sachen für Muddi zusammen, sie braucht Unterwäsche, Schlafanzüge und noch ein paar Kosmetikartikel. Dabei merken wir, dass der Wäschekorb im Bad ziemlich voll ist. Montags wird bei denen ja immer Wäsche gewaschen. Wir bitten Vaddi, etwas anderes anzuziehen, damit wir diese Sachen auch noch mit waschen können.

Völlig gegen die Normalität waschen Edda und ich Wäsche am Samstagabend. Und gleich auch noch ein Tempotaschentuch in Vaddis schwarzer Hose mit. Toll!

Normalität, was ist das? Normal war, dass bei den beiden auch nur vormittags eingekauft wurde.

Als Edda und ihr Mann Roland mal da waren, war der kleine Fernseher kaputt und sie wollten einen Neuen für Vaddis Arbeitszimmer kaufen. Für Sport, wenn Muddi etwas anderes sehen wollte. Vaddi herrschte sie an: „Am Nachmittag kann man doch keinen Fernseher kaufen!“ Sie haben es trotzdem gemacht. Man konnte es tatsächlich auch am Nachmittag.

Alles musste immer seinen gewohnten Gang gehen, keine Überraschung, dann war die Welt in Ordnung. Auch das wollten wir damals so sehen.

Der nächste Tag war ein Sonntag und Vaddi wollte heute nicht mit zum Krankenhaus. So verbringen Edda und ich den Vormittag bei Muddi im Krankenhaus, mittags essen wir mit Vaddi, er hatte etwas gekocht.

Am Nachmittag nehmen wir Karin mit. Wir können immer noch keinen Arzt sprechen. Daraufhin schreiben wir einen Brief an die Schwestern der Station, die völlig überlastet sind, damit sie diesen Brief an den Arzt geben. Wir bitten dabei um ein neurologisches Konsil, da wir vermuten, dass sie einen Schlaganfall hatte. Die Innere, auf der sie liegt, interessiert sich nur für Muddis Blutarmut. Kein Mensch kann uns Auskunft geben, nicht mal Muddi, die Station ist bis oben vollgestopft mit Patienten, selbst im Besucherraum sind Patienten untergebracht.

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