Unterkapitel 1

 

  1. Kapitel

 

Es war der 19.1.2011, ein Mittwoch. Mein Mann Claus und ich saßen in Ostfriesland, wo wir in einem schönen Haus wohnen, gemütlich am Nachmittag beim Kaffee zusammen, als das Telefon klingelte. Es war eine uns nicht bekannte Nummer, die auf dem Display erschien, allerdings war die Vorwahl aus dem Ort, in dem auch meine Eltern wohnten. Gespannt nahm ich das Gespräch an. Es war Karin, die Nachbarin meiner Eltern, sie ist etwa 70 Jahre alt und sie berichtete, dass Vaddi Einkaufen war, nicht Muddi.

„ Hallo Hanna, ich mache mir Sorgen um deine Muddi, sie ist ja gestern im Einkaufsladen hingefallen“, sagte Karin. „Heute Morgen ist dann euer Vaddi zum Einkaufen. Vielleicht geht es ihr nicht so gut. Aber sagt bloß nicht, dass ich euch angerufen habe, das wollen sie nicht.“

 

Mit Karin und ihrem Mann haben unsere Eltern gerne einmal geklönt, zu Geburtstagen und anderen Festen luden sie sich gegenseitig ein. Ab Mittag überließen unsere Eltern Karin und ihrem Mann die Tageszeitung, die sie morgens geliefert bekamen und die Bildzeitung, die Muddi jeden Tag kaufte. Karin hatte immer mal einen Blick auf die beiden. Ich habe ihnen irgendwann einmal meine Telefonnummer gegeben, falls mal etwas sein sollte.

Also gestorben, dachte ich immer, denn ernsthaft krank werden sie nicht, sie gehen ja auch gar nicht erst zum Arzt. „Brauchen wir nicht, wir sind gesund!“

 

Erschrocken rief ich nach diesem Anruf gleich bei meinen Eltern an, unter einem Vorwand, denn ich telefonierte eigentlich seit vielen Jahren, außer es gab etwas Außergewöhnliches, immer nur jeden Freitag um 18 Uhr mit den beiden. Jeden Freitag, auch im Urlaub, auch aus dem Ausland, sogar aus Übersee.

Diesmal ging Vaddi ans Telefon, sonst war es eigentlich immer Muddi und ich wollte irgendetwas Belangloses wissen. „Du Vaddi, wann werden normalerweise die Lämmer geboren? Jetzt doch noch nicht, oder?“ Etwas Besseres ist mir in dem Moment nicht eingefallen. Vaddi war froh, mir eine Auskunft geben zu können und ich fragte dann, ob ich Muddi mal sprechen könne, denn eigentlich telefonierte ich immer nur mit ihr.

„Ach, die hat sich etwas hingelegt“, sagte er. Sie sei ja gestern im Supermarkt umgeknickt, aber es gehe Muddi eigentlich gut. „ Die haben ihr ein Glas Sekt gegeben, für den Kreislauf und dann ist sie wieder nach Hause gegangen“. Eigentlich mag Muddi gar keinen Sekt.

„Na siehst du“, hatte Claus noch zu mir gesagt, „Karin übertreibt“.

 

 

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